Über Jürgen Schmitz

geb. 1952 in Siegburg
nach dem Abitur von 1971 – 1978 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf
seit 1982 freischaffender Maler in Siegburg
seit 1980 zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungs – Beteiligungen in Siegburg, Köln, Bonn, Wuppertal, Düsseldorf, Kassel, Berlin, Kampen – Sylt, Ladenburg, Kleve, Regensburg, Frankfurt a.M., Kiel, Remagen, Essen, Nogent– Sur–Marne, Straßburg, Nimwegen, Euskirchen, Hanau, Königswinter, Emmerich, Celle, Brauweiler
Beteiligungen an den internationalen Kunstmärkten in Köln und Düsseldorf, Kunstmarkt Göttingen, Große Düsseldorfer Kunstausstellung und Art Basel
Zahlreiche öffentliche Ankäufe durch Museen, Ministerien und das Bundeskanzleramt.


 

Landschaft ist überall

Zur Landschaftsmalerei von Jürgen Schmitz
Landschaft ist neben Porträt, Stillleben, Erzählung und Kultbild seit Jahrhunderten eines der bedeutendsten Sujets der Bildkunst. Landschaftsmalerei bedeutet, sich ein Bild von der Welt zu machen, im Großen wie im Kleinen, in der Nähe wie in der Ferne, zu jeder Zeit und in jedem Zustand. Landschaftsbilder sind topografisch interessant, sie informieren und dokumentieren, sie symbolisieren und dienen als Metapher, sie sind veristisch oder erfunden, sie können erschrecken oder betören, sie haben Charakter und fordern heraus, sie machen Eindruck und wecken Gefühle. Landschaften sind immer nur Ausschnitte. Von der zaghaften Landschaftsdarstellung in mittelalterlichen Heiligenbildern über das üppige Landschaftsbild des niederländischen 17. Jahrhunderts, über die poetischen und naturalistischen Landschaften der Romantik und des Realismus, von den Höhepunkten des Impressionismus und Expressionismus bis zur Pop Art, - man könnte meinen, es sei schon alles gemalt worden. Aber wer die oft schon totgesagte Landschaftsmalerei in den letzten Jahrzehnten verfolgen konnte, weiß, dass dieser Bildgegenstand nicht nur mit Beobachtung, Beschreibung, Empfindung zu tun hat, sondern dass vor der Genauigkeit und Auflistung die Beeindruckung, Achtsamkeit und Kompositionsidee kommen. Dafür steht die Landschaftsmalerei von Jürgen Schmitz, die weit mehr als Abbilder, Erinnerungen oder oberflächliche Schönheit bietet.

Die Malerei von Jürgen Schmitz ist jenseits jeder Ansichts- und Gefälligkeitskunst der Entwurf einer ganz persönlichen Weltsicht, insofern ist sie autonom und authentisch. Sie sucht und findet ihre Motive nicht weltweit, sondern oft ganz in der Nähe, an unerwarteten und nie zuvor gemalten Orten, an unspektakulären und scheinbar wenig aufregenden, mitunter aber auch an berühmten, noch und noch festgehaltenen Ausblicken wie beispielsweise auf die Stadt Köln mit dem Dom. Was ist dagegen schon eine Wiese im Bergischen oder der Saumweg an der Sieg? So möchte man fragen, entdeckt aber zugleich die darin liegende Antwort: Die Motive sind ihm gleich wichtig, sie bergen ein hohes Potential an Gestaltungsmöglichkeiten, Assoziationen und Vergleichen. Vor allem fordern sie die Scharfsichtigkeit, die Bildvorstellung und die Transformationskraft des Malers stärker heraus als fast schon ikonenhafte Motive. Jürgen Schmitz findet das Ungesehene, Übersehene, spürt und weiß, wie man es nicht nur sichtbar, sondern auch erfahrbar und über das Gegenständliche hinaus auslotbar macht. Seine natürlich sehr unterschiedlichen Bilder - was Ort und Zeit angeht - folgen einem erkennbaren Gestaltungsprinzip. Bei aller Verschiedenheit der Motive und Bildergebnisse lässt sich ein konstanter Umgang mit Motiv und Bildwerdung beobachten, den man als konzeptuell bezeichnen kann. Das macht die unverwechselbare künstlerische Handschrift von Jürgen Schmitz aus. Mit Konsequenz und Leidenschaft folgt er seit vielen Jahren unbeirrt diesen Grundlagen seiner Malprozesse.

Was charakterisiert die Landschaftsbilder von Jürgen Schmitz, was macht das Besondere aus, was unterscheidet sie von anderen Positionen im Landschaftsfach? Der Maler gehört jedenfalls nicht zu denen, die sich im Zuge der seit einigen Jahren wiederbelebten und gefragten Landschaftsmalerei nun einem Trend und Publikumsbedürfnis anschließen, sondern er hat sich bereits seit Jahrzehnten mit der Landschaft als solcher befasst und dafür eine außergewöhnlich reiche eigene Bildsprache entwickelt. Haben sich die Impressionisten seinerzeit als Reaktion auf die präzise abbildende Fotografie besonders dem spontanen flüchtigen Eindruck von Landschaften und Tageszeiten gewidmet, so setzt heute Jürgen Schmitz seine Naturausschnitte mit geradezu fotografischer Genauigkeit ins Bild. Freilich ist seine Kunst weit entfernt vom Fotorealismus, sie ist sozusagen eine Parallelsprache. Das in der Natur entdeckte Motiv und die fotografische Genauigkeit sind nicht mehr als ein Stenogramm, das erst unter seiner Malerhand durch Anreicherung, Veränderung, Verdichtung und Bildpoesie zu einer besonderen, sinnlich wahrnehmbaren Aussage wird. Im Grunde genommen ist es beinahe unwichtig, welchem Landschaftsausschnitt er sich widmet, weil er kaum eine Wirklichkeitserfahrung 1:1 umsetzt, sondern sie gerne als Grundlage für jeweils ganz individuelle malerische Lösungen einsetzt. In seinen Gemälden fallen besonders der variantenreiche Lichteinsatz und die nie wiederholten Wolkenformationen auf. Der Maler studiert nicht nur Strukturen und Farben der Landschaften, sondern hat auch einen sicheren Blick für das Bild des Himmels, für seine Wolkenbahnen von dicht bis leicht und für seine Farbtöne vom Dunkelgrau bis zu leuchtenden Rottönen. Es ist in seinem bisherigen Oeuvre gut ablesbar, welche Bedeutung und Bildwirkung ein strahlend blauer oder etwa ein dunkel verhangener Himmel haben können. Jürgen Schmitz hält besondere Himmels- und Wolkensituationen - wo auch immer - im Foto fest und verschmilzt sie im Malprozess mit den übrigen Bildelementen zu eindringlichen Kompositionen. Landschaft ist für ihn immer wieder eine Überraschung, jeder Weg eine Entdeckerstrecke, sowohl mit dem Blick nach oben als auch nach vorne. Landschaft als Komposition aus vielen Eindrücken und Möglichkeiten ist so etwas wie ein Schlüsselwort für diese Bildkunst. Ein Bild ist ein Bild. Es ist nicht nur eine Abbildung von etwas, das manche Andere auch sehen mögen, sondern ein durch Blick, Geist und Handschrift des Künstlers geformtes Besonderes. Die Werke von Jürgen Schmitz sind keine Farbskizzen, keine Aquarelle, nicht vor Ort gefertigt, sie sind ausschließlich Ölgemälde, die im Atelier entstehen. Die wegen der Trocknungsphasen länger dauernden Malvorgänge lassen Zeit für sensible Kompositionen und erlauben besondere Pointierungen. So treten zur Authentizität einer jeden Landschaftserfahrung die autonome Darstellung und Interpretation des Künstlers hinzu. Wir haben es mit spontan erfassten und zugleich gut überlegten Landschaftskompositionen zu tun. Jedes Bild birgt eine individuelle Aussage und ist ein sprachkräftiges Unikat, auch wenn vom gleichen Motiv - beispielsweise dem Blick vom Drachenfels auf den Rhein - mehrere Gemälde existieren.

Die Landschaften von Jürgen Schmitz lassen durchgehend erkennen, dass sie nicht mal eben so hingemalt sind, sondern Gestalt und Ausdruck in intellektuellen, ästhetischen, sinnlichen und formalen Zusammenhängen erfahren haben. Da erscheinen Landschaften wie Sinnzeichen, Metaphern, Formexperimente oder Seelenspiegel, mal sind sie überraschend und pittoresk, mal zurückhaltend und fast unterkühlt, mal sprechen sie von ursprünglicher Wildheit und mal von Ordnung. Alleine der Bildaufbau verrät mitunter schon den strukturierenden Blick und die sichere Hand, wenn zum Beispiel Wege den Tiefenraum erschließen, Baumreihen Grenzen ziehen, Wiesen und Wälder grüne Farbfelder bilden, kahle Bäume filigrane Grafiken zeichnen, Dunst die Ferne verunklärt oder Licht die Dinge scharf zeichnet. Es bleibt nie beim Vordergründigen, weil sich in manchen feinen Details oder in großen Zügen sowohl rationale Naturbetrachtung als auch emotionale Inspiration, sinnliche Begeisterung als auch melancholische Töne offenbaren. So sind diese Landschaften auch Stimmungsträger, sind vielleicht signifikant für den Naturbegriff unserer Gesellschaft und können - ohne auch nur einen Menschen ins Bild zu setzen - so manches über uns erzählen. Obwohl viele der aufgesuchten Landschaften auch eine liebliche Idylle hergäben, lässt sich der Künstler nicht verführen, er bleibt bei der nüchternen Beobachtung von Landschaft, Stadtrand und Industrie, er bietet dem Betrachter die gedämpfte Wintersonne, er mag es, wenn Schienen und Spuren unten und Hochspannungsleitungen oben im Bild Linien ziehen und seine, die Jahreszeiten spiegelnden Bilder nicht unbedingt lokalisierbar sein müssen, sondern ruhige Impulse setzen, die tiefer führen. Es gibt laute und stille Malerei, zweifelsohne zählen die Werke von Jürgen Schmitz zu den stillen Bildern. Sie sind unaufgeregt, sie zeigen nicht nur etwas, sondern sie sind vielmehr - unabhängig vom Motiv - stets auch Bilder der Betrachtung und Kontemplation. Freilich schwingt mitunter auch ein Ton von Zerbrechlichkeit und Beunruhigung mit. In der aktuellen, sich schnell überschlagenden Bilderflut fällt diese Malkunst auf, weil sie neben ihrer hohen Bildästhetik lesbar ist und eine existentielle Kraft in sich trägt. Eine Kunst, die überzeugt.

Prof. Dr. Frank Günter Zehnder

 

-> Vita Jürgen Schmitz

-> Aus: DIE ZEIT Stadt, Land, Strom - die neuen Landschaften des rheinischen Malers Jürgen SchmitzStadt, Land, Strom - die neuen Landschaften des rheinischen Malers Jürgen Schmitz

-> Unterwegs - Text von Klaus Wittkamp über die Bilder von Jürgen Schmitz

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